WerlJHBWieder einmal können wir auf eine wunderschöne Zeit im Rahmen der 35. Wanderwallfahrt des SGV-Lenhausen nach Werl zurückblicken. 71 Wanderer machten sich auf den zweitägigen Weg nach Werl.

Mit uns machten sich aber auch viele andere Fußpilger-Gruppen mit unterschiedlichen Anliegen auf den Weg zur Basilika nach Werl, zum Patronatsfest „Maria Heimsuchung“.

„Herr, wohin sollen wir gehen“ war das Leitwort der diesjährigen Wallfahrtszeit zu dem die Franziskaner bzw. das Erzbistum Paderborn alle Fußgruppen am Samstag zur Begrüßungsandacht bei der „Trösterin der Betrübten“ einluden.

Für uns war unser Etappenziel die Basilika in Werl klar, aber wir wissen auch, was im übertragenden Sinn mit dem Leitwort gemeint ist.

Am ersten Tag ging’s über Faulebutter, Röhrenspring, Klosterbrunnen, Meinkenbracht, Linnepe, Hellefeld, vorbei am „Lenhauser Kreuz“ zur Übernachtung zum SGV-Jugendhof nach Arnsberg, wo wir mit dem Bus abgeholt wurden und zur Jugendherberge Möhnesee fuhren – ca. 36 km.

Der zweite Tag führte uns über Breitenbruch, Niederense und Bremen, vorbei am „Mucher Kreuz“ zur Basilika nach Werl – ca. 28 km.

Bei so vielem, was wir anfangen, haben wir keine Garantie, dass wir am gewünschten Ziel ankommen werden. Aber dass das Ziel erreichbar ist, diese Zuversicht beflügelt und motiviert uns.

Laut Wikipedia ist eine Wanderwallfahrt "eine Fußreise unter Gebet und Gesang". "Wallen" kommt aus dem althochdeutschen "schweifen, hin- und herwehen" und "fahren" bedeutet reisen, ziehen, zurücklegen, also ein sich Fortbewegen in einem ganz eigenen Rhythmus, ohne Hektik, aber stetig, so wie der Schäfer mit seiner Herde oder der Heißluftballon über uns.

Unsere kleine Pilgerreise hat, gemessen am Marien- oder am Jakobsweg, so gar nichts Spektakuläres. Sie ist etwa 64 km lang, aber seit ein paar Jahren "zu unserem Camino" geworden, auf den wir uns schon seit Wochen freuen. Doch wir müssen ihn jedes Jahr erst wieder einmal erwandern!

Ja erwandern, nur durch einen ersten Schritt erreicht man das Ziel. Das Ziel - welches Ziel - unser Ziel, mein Ziel, das wir uns selber gesteckt haben oder das mir andere stecken? - Oder ist gar der Weg das Ziel?

All diese Gedanken gehen uns durch den Kopf, während wir beginnen zu gehen, voller Tatendrang, mit schnellen, ungestümen Schritten, etwas gehetzt von den vermeintlichen Notwendigkeiten, Pflichten und frühmorgendlichen Vorbereitungen vor unserem Weg. Nur ganz langsam wird man ruhiger und kommt in einen Rhythmus, der es uns hoffentlich ermöglichen wird, unser Ziel zu erreichen.

Gehen, nicht Hetzen und Rennen, Gehen ist Beten mit den Füßen - Jochen Klepper schreibt:

Gott hat Zeit - und hat meine Zeit in Händen. Und ist es nicht auch wichtig, auf dem Weg ab und zu einmal anzuhalten? Oft liegen ja die interessantesten Entdeckungen am Rande des Weges. Leicht kann man im Eifer der Schritte vorbeieilen, nur das Ziel vor Augen. Aber am Wegesrand wartet so manches, das wert und wichtig ist, anzuhalten, was nachdenklich oder freudig stimmt – es lohnt sich, innezuhalten, sei es an einem der Bildstöcke, in Klosterbrunnen, einst Heilquelle mit dem ältesten Badehaus des Sauerlandes, Eremitenhöhle, Kapuzinerkloster, Vikarie und Zwergschule, in den Jahren 1729 bis 1735 erbaut, heute Diözesanzentrum der Katholischen Jungen Gemeinde (KjG) im Erzbistum Paderborn oder am Lenhauser Kreuz mit dem besonders schönen Ausblick ins Hochsauerland.

Und weiter geht unser Weg: Man hat Zeit, die vorgebrachten Gedanken und Gebete seiner Mitwanderer zu überdenken und zu verarbeiten und es wird einem bewusst, dass jeder seine eigenen Ansichten, Sorgen, Probleme und Wünsche hat, aber auch seine Freuden.

Kilometer um Kilometer gehen wir miteinander den selben Weg, zeitweise jeder für sich in Gedanken, oftmals fröhlich lachend und schwatzend in der Gruppe. Keiner ist allein. Man fühlt sich geborgen. Die Gemeinschaft im Gespräch, Gebet und Gesang trägt uns weiter, bis man müde, aber glücklich am gesteckten Tagesziel ankommt, um dann gemeinsam den Abend zu verbringen.

Bevor jedoch die Lichterprozession in der Basilika unsere diesjährigen Wallfahrtstage abrundet, wollen wir vor dem Gnadenaltar der Trösterin der Betrübten aus dem 12. Jh. "Danke" sagen für die erfüllten Tage. Es ist vollbracht – wir sind am Ziel!

Vielleicht ist doch der Weg das Ziel?


Weitere Bilder der Wallfahrt finden sie in unserer Fotogalerie!

... sowie beim Soester Stadtanzeiger!


 

Joomla templates by a4joomla